Hat Carlo Krebs?

 

23.04.2013

 

Carlo geht es heute überhaupt nicht gut... Morgens hat er schon keinen Hunger, obwohl er sonst immer der Erste am Napf ist und auch der Erste, der ihn geleert hat. Aber gut, uns selbst fehlt ja auch oft der Appetit, weshalb ich dem auch erst mal keine besondere Aufmerksamkeit schenkte. Die Sorgen fingen erst an, als er sich dann auch noch übergab. Anfangs war das auch nicht sehr ungewöhnlich, sowas passiert hier öfters mal, bei drei Katzen, die ständig am Gras naschen, ist das eigentlich schon normal. Und hätte auch seine Appetitlosigkeit erklärt.

 

Doch anders als sonst bessert sich sein Zustand heute nicht. Mittlerweile erbricht er sich stündlich, ist schlapp und verkriecht sich.

 

Nach einer kurzen Tagung des Familienrates beschlossen wir, bis zum nächsten Tag abzuwarten, es hatte ja schon so manche Mietz einen schlechten Tag und am nächsten Morgen sah alles wieder gut aus.

 

Diesmal leider nicht.

 

Die ganze Nacht lang übergab er sich weiter, sodass es nicht nur für ihn zur Qual wurde, sondern auch für uns. Zu diesem Zeitpunkt steht bereits fest: Am Morgen geht es auf zum nächsten Tierarzt, damit er so schnell wie möglich Hilfe bekommt.

24.04.2013

 

Carlo baut immer mehr ab, ist ausgekühlt, liegt nur noch rum, hat kaum Kraft um aufzustehen und obwohl er sonst extem verschmust ist, will er sich nicht anfassen lassen. Kein Grund also, noch länger mit dem Arztbesuch zu warten.

 

Da es möglichst schnell gehen soll, fahre ich zur nächstbesten Tierärztin, die morgens als Erste öffnet. Wir waren die Ersten in der Praxis an diesem Morgen, kam ohne großes Warten sofort dran. Carlo saß wie immer brav auf dem Tisch, ich erzählte was ihn quält, dass er sich stündlich übergibt, apathisch rumliegt, wie sich das Erbrochene im Laufe der letzten Stunden verändert hatte, weshalb ich schon Angst hatte, dass er sich innerlich vergiftet oder die Nieren Schaden genommen haben, weil er extrem viel säuft. Die Ärztin hört sich alles an, er bekommt eine Spritze - "gegen das Erbrechen und ein Schmerzmittel" - , sie nimmt ihm Blut und sagt, dass wir nun bis morgen auf das Ergebnis aus dem Labor warten müssen. Da ich die ganze Nacht über schon Angst hatte, er könnte jeden Moment sterben, fragte ich, ob jetzt nichts passieren könnte bis morgen, weil es ihm so schlecht geht? - "Passieren kann immer was"war ihre Antwort, und damit schickte sie uns nach Hause.

 

Schon draußen im Auto sah alles danach aus, als wäre es bald zuende mit ihm... Er atmete nur noch sehr flach, konnte den Kopf nicht mehr heben und war allgemein nur noch apathisch. Ich hatte das Gefühl, ihn unmöglich bis zum nächsten Tag so durchzubekommen. Nach einer schnellen Familienkonferenz ging es daher kurzentschlossen in die nächste Klinik, weiter weg, aber dort wurden alle telefonisch schon alarmiert und standen in den Startlöchern für Carlo.

 

Der Arzt dort hört sich alles an, was ich zu berichten habe, schreibt jede Kleinigkeit auf und fragt mir Löcher in den Bauch. Er tastet Carlo ab, untersucht ihn eingehend, misst Fieber usw. Wo die erste Ärtzin mir nur mitteilte "Fieber hat er keines", haben wir vom zweiten Arzt erfahren, dass Carlo Untertemperatur hat. Weiterhin hat er beim Abtasten des Bauches eine Zubildung dort festgestellt. Er war sehr ausgetrocknet  und zwischenzeitlich auch schon abgemagert. Der Arzt will umgehend mit der Ursachenforschung anfangen, der Bluttest dauert hier lediglich 10 Minuten. Gesagt, getan, Carlo wird vom Doc eingepackt und die Tests gehen los.

 

Am gleichen Tag wurden wir nochmals in die Klinik bestellt, um über die Ergebnisse der Tests zu sprechen. FIP/FIV/Leukose waren negativ, der Bluttest ergab zu dickes Blut, zu hohe Zuckerwerte, zu hohe Leberwerte und und und und und... Neben einer dicken Infektion hat er also irgendwo ein Problem, welches die Leber angreift. Das übermäßige Trinken wird durch das dicke Blut verursacht, er versucht also, dieses durch die Flüssigkeitsaufnahme wieder zu verdünnen.

 

Der Ultraschall bringt nicht viel Klarheit. Er zeigt nur die Zubildung im Bauch, die der Arzt schon beim Abtasten spürte und dass diese Zubildung scheinbar durchblutet ist. Ein Fremdkörper konnte also jetzt schon zu 90% ausgeschlossen werden.

 

Alles Rätseln nutzte nichts, eine OP ist unumgänglich, die Zubildung muss raus, weil sie den Darm verschließt. Außerdem wollen wir ja wissen, ob die Ursache Krebs ist oder nicht. Für eine Operation ist Carlo allerdings noch zu schwach, er würde in seinem Zustand eine Narkose nicht überleben. Er muss also erstmal noch mindestens einen Tag gepäppelt werden um überhaupt OP-tauglich zu sein.

25.04.2013

 

Ein kurzer Anruf in der Klink ergab: Carlo war soweit stabil genug, um operieren zu können, der Arzt ist bereits mitten in der OP, gegen Abend wissen wir dann mehr.

 

Etwas später am Tag teilt der Arzt mir mit, dass Carlo alles soweit gut überstanden hat und gerade noch aufwacht. Die Ursache im Bauch, also die Zubildung, hat er entfernt, allerdings hat er sowas scheinbar selbst noch nie gesehen und hat keine Ahnung, was er da entfernt hat. Fakt ist, dass Carlo jetzt ca. 10 cm Darm fehlen und die Zubildung verändertes Darmgewebe war. Um genau herauszufinden, worum es sich dabei handelt und woher diese Veränderung kommt, muss eine Probe in die Pathologie geschickt werden.

27.04.2013

 

Carlo wurde die letzten Tage in der Klinik gepäppelt, alle zwei Stunden mit Flüssignahrung gefüttert, bekommt fleißig Medikamente und ist schon wieder auf den Beinen. Dass er ein Vorzeigepatient war, muss ich hier ja nicht extra erwähnen ;-)

 

Heute ist er also soweit stabil, dass er zuhause gesund werden darf. Ganz über den Berg ist er zwar noch nicht, es muss noch abgewartet werden, ob der zusammengenähte Darm funktioniert. Hierfür bekommt er aber momentan nicht ausreichend Nahrung, damit man sehen könnte, ob hinten davon etwas ankommt. Wichtiger ist momentan, dass er wieder zu Kräften kommt.

 

Er bekommt also alle zwei Stunden seine Aufpäppel-Nahrung, täglich Antibiotika und Schmerzmittel, damit ihm die Wunde im und am Bauch nicht so zu schaffen macht und alles möglichst entspannt heilen kann.

 

Er macht sich ganz gut, spaziert wieder munter durch seine Wohnung, liegt gerne vor der Rotlichtlampe und endlich, endlich kuschelt er wieder mit uns!

28.04.2013

 

Die erste Nacht zuhause ist sehr gut verlaufen. Carlo kam endlich mal zur Ruhe - wir nicht so, alle zwei Stunden hat der Wecker geklingelt... Aber ihm geht es sichtlich besser, er unterhält sich wieder mit uns und hat eindeutig Hunger. Als Kitty und Mira wie gewohnt ihr Frühstück bekommen haben, saß er fast schon verzweifelt daneben und wollte etwas abbekommen. Ein wenig Geduld muss er da allerdings noch haben, erst heute am Abend darf er eine kleine Menge Spezialfutter bekommen. Seit er zuhause ist, hat er schon zwei Mal gepiselt und irgendwann in den nächsten Tagen kommt hoffentlich auch hinten etwas an :-)

 

20.05.2013

 

Mittlerweile sieht die Welt schon viel besser aus. Carlo futtert und futtert und futtert und sieht schon wieder ganz propper aus :-) Auch bezüglich des Ergebnisses haben wir gute Neuigkeiten zu verkünden: Der Pathologe hat festgestellt, dass die Ursache definitiv kein Krebs war! Scheinbar hat Carlo tatsächlich irgendwann man etwas verschluckt, was die Darmwand beschädigt hat. Durch diese Beschädigung hat sich dann nach und nach alles immer weiter entzündet, das betroffene Stück Darm ist abgestorben und hat ihn dadurch langsam vergiftet. Wir hatten also Glück im Unglück, Carlo ist rasant auf dem Weg der Besserung und alles wird wieder gut :-)

 

An dieser Stelle möchte ich nochmals allen ganz ganz herzlich danken, die während der ganzen Zeit für uns die Daumen gedrückt haben!