In der Theorie

Am Anfang steht immer die Theorie. Auch und gerade beim Barfen. Man muss anfangs schon einige Zeit investieren und sich mit dem Thema auseinandersetzen, um am Schluss ein ausgewogenes und gesundes Futter für seine Katze zu kreieren.

 

Alle nun folgenden Infos sehen erst mal fürchterlich viel und schwierig aus. Dabei bedeutet es lediglich am Anfang ein intensives Einlesen ins Thema. In der Regel erstellt man sich nach allem nötigen angeeigneten Wissen seine Rezepte, die dann immer verwendet werden. Ich persönlich habe für alle Recherchen, zu klärenden Fragen und klären der Feinheiten ein Wochenende, also zwei Tage geopfert. Am Ende dieser zwei Tage waren meine Rezepte erstellt und diese benutze ich heute noch regelmäßig. Mit der Zeit bekommt man die nötige Übung und weiß dann auch selbst, welche einzelnen Bestandteile man wodurch ersetzen könnte, wenn im Onlineshop (oder beim Metzger) mal was nicht lieferbar ist oder man sich in der Bestellung vertan hat.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten zu barfen: Die Methode nach Frankenprey und das "Whole-Prey-Model". Klingt kompliziert, unterscheidet sich aber lediglich in der Größe der Fleischstücken. Nach Frankenprey wird das Beutetier (z. B. das Hühnchen) "nachgebaut". Das Wort Frankenprey leitet sich vom englischen Wort für "Beute", also "Prey" und dem Frankensteinmonster ab, welches auch aus Einzelteilen zusammengesetzt wurde. Alle Fleischsorten, die ein Huhn beinhaltet, werden im richtigen Verhältnis gemischt und so zu einem Beutetier verarbeitet. Somit kommt Muskelfleisch in den Napf, genau wie Herz, Lunge, Leber, Magen, Niere, Milz, Blut, Knochen, Fett und so weiter. Außerdem gibt es noch die Unterscheidung nach Frankenprey mit und ohne Supplementen. Manchmal ist es erforderlich, dass z. B. Knochen aus gesundheitlichen oder Akzeptanzgründen nicht gefüttert werden dürfen oder können. Da sie für den Katzenorganismus aber unerlässlich sind, müssen sie in anderer Form ins Futter. So gibt es für alles Alternativen und Ausweichmöglichkeiten. Mehr dazu aber später.

 

Das Whole-Prey-Model sieht es vor, ausschließlich komplette Beutetiere zu verfüttern. Hier landen also Mäuse, Küken, Kaninchen, Tauben, Wachteln usw. im Napf.

 

Da wir selbst nach der Frankenprey-Methode ohne Supplemente barfen, werden wir uns auch in diesem Artikel ausschließlich damit beschäftigen.

Alles sieht wesentlich einfacher aus, wenn man weiß, dass es ein Grundrezept gibt, nach welchem man sich richten muss. Dieses Grundrezept ist erst mal nur ein grober Richtwert, man muss sich mit den einzelnen Fleischsorten und Innereien trotzdem noch beschäftigen, wie sich diese auf den Körper auswirken, was sie beinhalten und was sie bezwecken sollen. Ausgegangen wird immer von einem Kilo fertigem Barf. Dieses besteht aus:

 

- ca. 80% Muskelfleisch

   - hiervon ca. 30-50% Herz und

   - ca. 10% Fett

- ca. 10% Knochen

- ca. 5% Leber und

- ca. 5% andere Innereien (z. B. Niere oder Milz)

Wenn man bedenkt, dass man eigentlich eine Maus nachbauen möchte, mag es erst mal befremdlich erscheinen, 50% Herz zuzufügen. Schließlich besteht eine Maus nicht zu 50% aus Herz. Allerdings ist die Maus das Tier mit dem höchsten Taurin-Gehalt. Dieser lässt sich nicht so einfach nachbauen. Am allermeisten ist Taurin in Hähnchen- und Putenherzen enthalten. Sie sollten also einen großen Teil des Futters ausmachen.

 

Um genau bestimmen zu können, wovon wieviel ins Futter kommt, sollte man ebenfalls noch wissen:

 

Muskelfleisch enthält viel Eiweiß, Herz viel Taurin. Fett klingt nur unschön, ist aber ebenso wichtig, weil jedes Beutetier natürlich auch einen gewissen Anteil Fett enthält. Knochen sind wichtige Kalzium-Lieferanten und daher ebenfalls unerlässlich. Außerdem gut zum Zähne putzen. Milz z. B. ist das blutproduzierende Organ und somit wichtig für den Eisenhaushalt. Milz ist aber nicht immer gut zu bekommen, daher ist Blut eine gute Alternative. Leber liefert Vitamin A und ist in Maßen ebenso notwendig.

 

Manche Fleischsorten, z. B. Lammfleisch, ist von Natur aus schon sehr fetthaltig. Bei Lamm-Rezepten ist es also eigentlich nicht nötig, zusätzlich Fett beizumischen. Hühnchen hingegen ist eher mager, weshalb auf Fett hier nicht verzichtet werden darf.

 

Nun hat eine Maus natürlich auch noch ein Fell, genau wie ein Kaninchen oder ein Vogel seine Federn. Nun ist es meistens sehr schwierig, an Mäusefell oder Vogelfedern zu kommen. Fraglich ist außerdem, ob das jede Miez anstandslos mit verschlingt. Also muss eine Alternative her. Einfach weglassen geht leider nicht, da das Fell z. B. als Ballaststofflieferant fungiert und somit für eine funktionierende Verdauung manchmal erforderlich ist. Dabei kommt es auf die Katze an. Viele Katzen kommen auch ohne Ballaststoffe zurecht und haben eine prima Verdauung. Das muss man ausprobieren. Bei Kitty, Carlo, Mira & Joe war der Kot sehr hart und fast weiß, weil ich die Ballaststoffe anfangs weggelassen habe. Seit ich sie mit ins Futter mische, ist alles wie es sein soll.

 

Alternativen zu Fell und Federn sind die meisten Gemüsesorten, z. B. Karotten, Gurke oder gekochte Kartoffel. Auch diverse Obstsorten eigenen sich, allerdings sind diese auch immer mit Fruchtzucker verbunden, welcher eigentlich vermieden werden sollte. Daher beschränken sich unsere Ballaststoffe auf Karotten und Gurke. Das ist ausreichend.

Selbst bei der Frankenprey-Methode ohne Supplemente ist es aber nicht ganz umsetzbar, ohne jede Art von Supplementen auszukommen. So darf z. B. Taurin in Pulverform oder auch Lachsöl in keinem Rezept fehlen um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Selbst bei Rezepten mit Hühnerherzen, die ja einen hohen Taurin-Gehalt haben, füge ich Taurin noch in Pulverform hinzu. Da dieses nicht überdosiert werden kann, ist es also nicht schädlich und darf ruhig zusätzlich dazu. Ebenso sollte Vitamin E selbstverständlich sein.

So, nun sollten die Grundlagen theoretisch soweit klar sein, dass man sich langsam mit der Umsetzung beschäftigen :-)

Übrigens:

 

Laut Gesetz ist es verboten, an Katzen lebende Mäuse zu verfüttern bzw. diese zur "Belustigung" der Mietz vorzusetzen. Lebende Mäuse dürfen nur an solche Tiere verfüttert werden, die sonst nicht überleben würden. Einige Schlangenarten z. B. fressen keine toten Tiere.